Hellenistisches Judentum

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Hellenistisches Judentum

Beitrag  Admin am Fr März 06, 2015 5:11 pm

Der Anfang und das Ende der Christus als das Alpha und das Omega der erste und das Ende.
Die Parallelen Wendungen interpretieren sich gegenseitig,auch wenn jede einen eigenen Akzent hat. Sie sagen in jeweils bestimmter Weise die Mächtigkeit und Herrschaft aus.
(vgl der Erste und der Letzte von Unik,für die dreigliedrige  Zeit bezogene Aussage.
G.Delling,Studien zum Neuen Testament und zum hellenistischen Judentum B1970.439-448) Jes44,6
Seite 943 im Buch EXEGESE wird noch ergänzt.

Eine gute Seite
http://www.christenundjuden.org/artikel/theologie/81-hahn-der-jude-jesus?start=1
Hahn, Der Jude Jesus - Die älteste christliche Gemeinde
 
Die älteste christliche Gemeinde
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3. Die älteste christliche Gemeinde hat sich zunächst in Jerusalem gesammelt. Sie bestand aus jesusgläubigen Juden. Das gilt auch für die frühen christlichen Gemeinden, die unter Diasporajuden im hellenistischen Raum entstanden. Hier wurden dann auch ehemalige Heiden aufgenommen, aber der judenchristliche Charakter beibehalten. Erst als seit der Wende zum 2. Jahrhundert die Heidenchristen die Mehrheit darstellten, kam es zu erheblichen Veränderungen. Es wurde schon bald nicht mehr gesehen, dass die Nichtjuden in die jüdische Wurzel eingepflanzt sind, wie Paulus das in Röm 11,16-18 zum Ausdruck gebracht hat.<

3.1. Die älteste christliche Gemeinde Jerusalems war sich ihres Jude-Seins voll bewusst. Sie verstand sich als Erneuerungsbewegung innerhalb ihres Volkes. Es war für sie selbstverständlich, sich in ihrer Lebenspraxis an die herkömmlichen Formen zu halten, dabei aber Jesu Wort und Weisungen ernst zu nehmen.

3.1.1. Nicht nur die Teilnahme am Synagogengottesdienst war für sie wie für Jesus eine feste Gewohnheit. Auch an den Gebetszeiten im Tempel hat die Jerusalemer Urgemeinde nach dem Bericht der Apostelgeschichte teilgenommen. Tora und Profetenschriften waren und blieben grundlegend; sie waren zusammen mit dem Psalter die “Bibel des Urchristentums“ (von Campenhausen). Auch wenn die Profeten verstärkte Bedeutung erhalten haben und bei den Geboten der Tora Jesu Auslegung berücksichtigt wurde, handelte es sich um eine ganz und gar jüdisch geprägte Gemeinde. Sicher war sie so etwas wie eine Sondergemeinde, aber das war angesichts der zahlreichen Gruppierungen im damaligen Judentum nichts Aussergewöhnliches. Ihre Glieder verstanden sich als Anhänger Jesu und vertrauten auf dessen Heilsbotschaft, die in engem Zusammenhang mit den Profetischen Verheissungen stand. Zwar gab es, wie wir ebenfalls aus der Apostelgeschichte wissen, Auseinandersetzungen wegen der öffentlichen Weiterführung der Botschaft Jesu, was aufgrund seiner Verurteilung als unstatthaft angesehen wurde. Aber in der ältesten, aramäisch sprechenden judenchristlichen Gemeinde gab es gleichwohl keinerlei Tendenzen, sich vom Judentum abzusondern oder zu trennen.

3.1.2 Das Gesagte hebt natürlich die Eigenständigkeit dieser Gemeinde nicht auf. Alle, die ihr angehörten, waren überzeugt von Jesu Botschaft und der ihm von Gott verliehenen Autorität. Nicht zuletzt das Widerfahrnis seiner Auferstehung spielte eine zentrale Rolle. Sie wussten sich als Jünger Jesu auch selbst in den Dienst genommen und mit der Weiterverkündigung seiner Botschaft beauftragt. Entscheidend dabei war, dass sie sich als jesusgläubige Juden verstanden haben. Ihnen ging es daher um die Einbeziehung der Besonderheiten der Botschaft Jesu und des Bekenntnisses zu seiner Person in die jüdische Tradition. Es ist sehr beachtlich, in welchem Masse dieser Integrationsprozess schon in frühester nachösterlicher Zeit durchgeführt wurde. Dabei handelte es sich konsequent um eine judenchristliche Rezeption der Botschaft Jesu. Der jüdische Grundzug der eigenen Verkündigung Jesu wurde festgehalten und gleichzeitig eine judenchristliche Konzeption entwickelt, die für die Folgezeit richtungweisend war.

3.1.3 Will man im einzelnen die Eigenart dieser Konzeption beschreiben, so ist auszugehen von Jesu Vollmacht. Nicht die Messiasfrage stand zunächst im Vordergrund, sondern seine rätselhaften Worte über den Menschensohn, mit dem er jetzt eindeutig identifiziert worden ist. Es handelte sich dabei ursprünglich um eine himmlische Gestalt, um das Urbild des Menschen. Nach der Überzeugung der Urgemeinde ist dieser Menschensohn in der Person Jesu auf Erden erschienen und wird bei seiner erwarteten Wiederkunft am Gericht Gottes beteiligt sein. Auch sein Leiden und seine Auferstehung wurden im Lichte dieser Tradition verstanden: Nach Gottes Willen ging er in den Tod und durch Gottes Wirken wurde er zu ewigem Leben wiedererweckt. Sein Tod wurde im Sinn des leidenden Gottesknechts aus Deuterojesaja als stellvertretendes Sterben verstanden, das Sünde überwindet und den Zugang zu Gott öffnet. In diesem Sinn wurde auch die Messianität aufgefasst: Es war nicht der machtvolle, sondern der leidende und sterbende Jesus, der als Messias, als Heilsmittler, angesehen wurde. Im Zusammenhang damit spielte so dann das Selbstverständnis der Jüngerschaft eine wichtige Rolle: Wie in Jesu vorösterlichem Wirken ging es um die Sammlung des erneuerten Gottesvolkes aufgrund seiner Heilstat. Zeichen der Zugehörigkeit zur Gemeinde war anstelle der konkreten Nachfolge nun die von Johannes dem Täufer übernommene und im Namen Jesu vollzogene Taufe, die im Sinn von Ez 9,4 als Siegel für das künftige Heil verstanden wurde. Geprägt wurde das gemeinsame Leben insbesondere durch die Mahlgemeinschaft; es war eine Fortführung der irdischen Mahlgemeinschaften Jesu, vor allem seines Abschiedsmahles, es stand daher im Lichte des rettungsstiftenden Sterbens Jesu. Soweit die Botschaft Jesu in früher nachösterlicher Perspektive neu interpretiert wurde, blieb sie jedenfalls in engem Zusammenhang mit der überkommenen jüdischen Hoffnung und Tradition.

3.2. Ein wichtiger weiterer Schritt wurde dann von dem hellenistischen Judenchristentum vollzogen. Griechisch sprechende und griechisch beeinflusste Juden gab es auch in Jerusalem; es waren die sogenannten “Hellenisten“ im Gegensatz zu den “Hebräern“ (vgl. Apg 6). Verbreitet war das hellenistische Judentum im ganzen Mittelmeerraum mit Zentren in Alexandria, Antiochien am Orontes und Rom, aber auch an vielen anderen Orten lebten Juden.

3.2.1. Unter den Juden der hellenistischen Diaspora hat die christliche Predigt große Resonanz gefunden. So hat sich in der zweiten Hälfte des l. Jahrhunderts der Schwerpunkt der frühen Christenheit zunehmend vom aramäisch sprechenden auf das griechisch sprechende, das hellenistische Judenchristentum verlagert. Eine weitreichende Weichenstellung war hier die Aufnahme von Heiden in die christliche Gemeinde ohne Beschneidung und ohne Verpflichtung auf die Tora, also ohne gleichzeitige Integration in die jüdische Gemeinschaft. Es ging, wofür vor allem Paulus sich eingesetzt hat, um die Unmittelbarkeit des Heils für alle Menschen. Dies wurde beim Apostelkonvent auch von den Leitern der Jerusalemer Gemeinde anerkannt.

3.2.2. Von großer Bedeutung ist, dass auch das frühe hellenistische Christentum ein Judenchristentum war. Es stand in der Tradition der Diasporasynagogen. Bei aller dort erkennbaren Bereitschaft, die griechische Sprache und damit auch bis zu einem gewissen Grad griechische Denkgewohnheiten zu übernehmen, wurde das jüdische Erbe in hohem Masse bewahrt. Wir sind vor allem über die Situation der Juden in Alexandrien unterrichtet; in dieser Stadt ist auch die wichtigste Übersetzung der jüdischen Bibel in die griechische Sprache entstanden, die sogenannte Septuaginta (weil sie von 70 Schriftgelehrten übertragen wurde). Interessanterweise enthält diese Übersetzung sehr viel mehr eine Hebraisierung des Griechischen als eine Gräzisierung des Hebräischen. Dabei hat man in Alexandrien, wie vor allem der jüdische Philosoph und Theologe Philo zeigt, durchaus griechische Traditionen adaptiert. Im Grundbestand blieb die Frömmigkeit jedoch jüdisch. Entsprechend waren bis kurz vor der Wende vom 1. zum 2. Jahrhundert die christlichen Gemeinden im Mittelmeerraum hellenistisch-judenchristlich geprägt, so dass auch die in dieser Zeit entstandenen neutestamentlichen Schriften mehrheitlich judenchristlich sind. Das zeigen nicht nur das Matthäus- und das Johannesevangelium, sondern ebenso Paulus und in anderer Weise der Jakobusbrief, der Hebräerbrief oder die Offenbarung des Johannes. Gewisse heidenchristliche Tendenzen zeigen sich erstmals am Ende des 1.Jahrhunderts bei Lukas oder in den von Paulusschülern abgefassten Briefen an die Kolosser und die Epheser.

3.2.3. Wie unverkennbar judenchristlich die Verkündigung im hellenistischen Raum im 1. Jahrhundert gewesen ist, zeigt der Apostel Paulus. Bei aller Bereitschaft, auf Probleme einzugehen, die durch die heidnische Herkunft vieler Gemeindeglieder entstanden sind, ist er in seinem Denken konsequent jüdisch geblieben. Das geht nicht nur aus Röm 9-11 hervor, wo es ihm um die Einbindung des Christentums in das Judentum geht, sondern in gleicher Weise aus seiner Christologie und Soteriologie, seiner Ekklesiologie und Eschatologie. Er ist gleichwohl im Unterschied zu den Vertretern der palästinischen Urgemeinde ein typischer Repräsentant des hellenistischen Judenchristentums, was besagt, dass er in vieler Hinsicht Elemente aus der Tradition des Diasporajudentums aufgenommen hat. Wie stark er als Heidenmissionar Judenchrist geblieben ist, zeigt nicht zuletzt seine Rechtfertigungslehre, bei der es um die Bedingungslosigkeit des Heilszuspruchs und den uneingeschränkten Glauben im Sinn des Vertrauens geht. Sie ist schlechterdings nur unter jüdischen Voraussetzungen zu verstehen, weswegen sich der Apostel gegenüber einer schon stärker heidenchristlich geprägten Gemeinde wie der von Korinth um eine auch für Nichtjuden verständliche Interpretation seiner Rechtfertigungsbotschaft bemüht. Er tut dies mit Hilfe seiner Ausführungen über die Weisheit der Welt und die Weisheit unter den Vollkommenen in 1 Kor 1 + 2.

3.3. Auf die Entwicklung vom ausgehenden 1. Jahrhundert an ist nicht mehr im Detail einzugehen. Die Heidenchristen gewannen zunehmend das Übergewicht, und eine Rückbindung an das Judentum schien ihnen überflüssig. Immerhin sind Tendenzen zur Abstoßung des Alten Testaments, wie dies vor allem Marcion gefordert hat, eindeutig zurückgewiesen worden. Die inzwischen entstandene Sammlung urchristlicher Schriften wurde nun aber zunehmend unter griechischen Denkvoraussetzungen interpretiert, was dann in der Alten Kirche zu einer hermeneutisch beachtenswerten, aber das urchristliche Zeugnis verfremdenden Interpretation führte, die bis in unsere Zeit nachgewirkt hat. Darüber hinaus setzte sich jetzt die sogenannte Substitutionstheorie durch, wonach die Christenheit das Judentum abgelöst habe. Damit war ein Verständnis des Christentums eingeleitet, das seine jüdischen Wurzeln weitgehend vergessen hatte.


4. Das Jude-Sein Jesu ist von fundamentaler Bedeutung für die christliche Verkündigung und Theologie. Dasselbe gilt für den judenchristlichen Charakter der ältesten christlichen Botschaft, wie sie im Neuen Testament festgehalten ist. Welche Relevanz hat das nun speziell für das Verstehen der neutestamentlichen Schriften?

4.1. Jesu Jude-Sein bedeutet die unaufhebbare Rückbindung an die Offenbarung Gottes in der Geschichte des Volkes Israel und damit zugleich die Klammer zwischen dem Alten und dem Neuen Testament. Jesus steht in der Tradition des früheren Gotteshandelns und verwirklicht seinerseits das verheißene künftige, jetzt schon beginnende Handeln Gottes. Um der anbrechenden eschatologischen Gottesherrschaft willen hat er Wege beschritten, die von den Repräsentanten des damaligen Judentums nicht anerkannt wurden. Diese standen aber durchaus im Lichte der Profetischen Heilsverheißung, wobei Jesus auch Elemente der apokalyptischen Profetie der Spätzeit aufgenommen hat. Seine Verkündigung ist dabei unverkennbar von der hebräischen Bibel bestimmt. Das betrifft nicht nur die Inhalte, es betrifft im besonderen auch die Denkweise. Anders als die griechische ist diese nicht primär statisch, sondern dynamisch; sie ist nicht an der typisch griechischen Frage nach dem Wesen orientiert, sondern fragt nach Beziehungen, Gemeinschaft und Funktionen. Entscheidend ist insofern seine Bindung an Gott und sein Auftrag, seine Sendung, aufgrund deren er im Namen Gottes handelt.

4.2. Die älteste christliche Theologie hat nicht nur das Jude-Sein Jesu ernst genommen, sondern sich ihrerseits auch bemüht, eine christliche Verkündigung und Theologie unter diesen jüdischen Prämissen zu konzipieren. Das hatte erhebliche Konsequenzen, was nur an einem Beispiel erläutert werden soll: Gottessohnschaft besagt hier nicht, dass Jesus seinem Wesen nach göttlicher Natur sei, sondern macht deutlich, dass er als Mensch in voller Gemeinschaft mit Gott und dessen Auftrag gehandelt hat und in diesem Sinn Gottes Offenbarer war. Nirgendwo ist das klarer ausgesprochen als in dem Wort Joh 10,30: “Ich und der Vater sind eins“, was die unlösbare Zusammengehörigkeit, die Einheit des Handelns und zugleich die Stellvertretung zum Ausdruck bringt. Das beinhaltet keinesfalls weniger als die späteren Wesensaussagen, steht nur unter anderen Denkvoraussetzungen. Vom 2.Jahrhundert an ist diese genuin jüdische bzw. judenchristliche Konzeption zunehmend überlagert worden und hat dann dazu geführt, dass das Gespräch mit dem Judentum kaum noch möglich war. Uns ist das griechische Denken inzwischen sehr fremd geworden, weswegen auch die griechisch interpretierte christliche Botschaft für viele schwer nachvollziehbar ist. Hier gilt es, an die Quellen nicht nur der biblischen Schriften, sondern speziell auch ihrer Denkweise zurückzukehren, die interessanterweise für moderne Menschen sehr viel zugänglicher und nachvollziehbarer ist. Diesen Ansatz unter den Denkvoraussetzungen der jüdischen Bibel neu aufzunehmen und zu entfalten, ist eine Aufgabe, die für unsere Zeit immer noch ansteht.


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